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Themenabend Demenz – eine Rückschau

Im November 2017 wurden Angehörige zum Thema „Umgang mit Demenzerkrankten“ eingeladen. Diplom-Medizin-Pädagogin & Krankenschwester Frau Beate Böser ist Coach für Fort- und Weiterbildung für den Umgang mit Demenz. Sie führte alle Interessierten durch den Abend.

Anschaulich und lebendig demonstrierte sie den Anwesenden Verhaltensweisen des Krankheitsbildes Demenz. Dabei erklärte sie viele Symptome näher, um Demenzkranke besser zu verstehen. Frau Böser bot verschiedene Hilfen an, um den Alltag mit demenziell Erkrankten besser bewältigen zu können. Oft stehen Pflegende der geistigen Verwirrung hilflos gegenüber. Achtzig Prozent der in Pflegeeinrichtungen lebenden Menschen sind betroffen.

Demenzkranke leben in ihrer eigenen Realität, die von Minute zu Minute in einer anderen Zeitepoche stattfinden kann. Das heißt für uns Gesunde, dass wir uns auf die Ebene des Erkrankten begeben müssen. Es ist ein Leben im Augenblick. Fragen zu dem was war, was sein wird, kann der Bewohner nicht mehr beantworten (z.B. Was gab es zu essen? Antwort: „Ich hab noch nichts bekommen.“). Weiss der Erkrankte keine Antwort, lässt man ihn dadurch seine Defizite spüren (Peinlichkeit, Scham). Er antwortet dann mit Schutzstrategien (z.B. „Was du heute wieder alles wissen willst.“) Erzählen aus der Vergangenheit ist eine Ressource, aus der der Demente aus dem Langzeitgedächtnis schöpfen kann. Die damit verbundenen Emotionen bleiben ebenfalls. Für Pflegende ist es deshalb wichtig, die Biographie des Bewohners zu kennen. Damit kann er im Gespräch wichtige Lebensphasen des Erkrankten wertschätzend ansprechen (z.B. Beruf, Familie, Hobbys, Erfolge), ebenso aber auch traumatische Erlebnisse z.B. Verluste vermeiden. Weitere Ressourcen sind Sprichwörter, die diese Generation begleitet haben und auf die man im Gespräch zurückgreifen kann (z.B. :„Ohne Fleiß kein Preis“).

Demenzerkrankte brauchen Hilfe zur Orientierung. Oft haben sie einen Tunnelblick. Deshalb können sie nur das sehen, was gerade direkt vor ihnen in Augenhöhe ist. Was rechts und links davon ist wird nicht wahrgenommen. Fotos aus der Kindheit oder Jugend an der Tür können helfen, das Zimmer selbstständig zu finden. Mit Farben kann man Kontraste schaffen denn z.B. weißes Geschirr auf weißer Tischdecke können Erkrankte nicht erkennen. Frau Böser lud an dieser Stelle zu kleinen Experimenten ein.

Machen Demenzkranke Fehler sollte man sie nicht verbessern, korrigieren oder berichtigen. Sonst ziehen sie sich zurück und haben das Gefühl, alles falsch zu machen. Was noch selbstständig gemacht werden kann sollte zugelassen werden, auch wenn es nicht immer korrekt geschieht (z.B. essen mit Fingern). Vielleicht sind Ekelspeisen oder Lieblingsgerichte aus der Kindheit bekannt. Wenn man sich selbst nicht mehr äußern kann sind solche Informationen wichtig. Stellen Sie sich vor: Sie halten die Lippen geschlossen, können sich nicht äußern und jemand versucht Ihnen gut gemeint Essen und Trinken einzuflößen. Will der Erkrankte nicht essen, trinken oder seine Medikamente nicht nehmen muss das respektiert werden. Der Gesetzgeber verbietet Zwang in der Pflege. Mit Gegenständen aus den Erfahrungen von früher können Gespräche
angeregt werden (z.B. Schmuck, Werkzeug, persönliche Fotos, Spielzeug, Alltagsgegenstände).

Demenzkranken das Gefühl geben:
ICH BIN WICHTIG,
ICH BIN WERTVOLL,
DER VERSTEHT MICH,
ICH WERDE GESEHEN (und wenn es nur ein Winken im Vorbeigehen ist).

Die wichtigste Erkenntnis des Tages: Gefühle bleiben bis zum Schluss erhalten.

Ängste nehmen, Vertrautheit schaffen, nicht in die Realität gehen, nicht mitspielen, neutral bleiben, Druck nehmen, Gefühle auffangen und spiegeln, nicht lügen.

Auch Demenzkranke möchten ernst genommen werden. Oft sind sie glücklich in ihrer eigenen Welt.

Sicher konnte sich jeder der Anwesenden des Abends etwas mitnehmen. Es wurde rege diskutiert und viele Fragen gestellt. Fallbeispiele gaben Einblick in die große Problematik, die so eine Erkrankung mit sich bringt. Nicht für jedes Problem gibt es eine Lösung, doch einen Versuch ist es immer wert, gemeinsam danach zu suchen.