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Eine Ausstellung, die Ängste nimmt

Aufgrund der großen Nachfrage wird die Demenz-Expertin Beate Böser ihren Vortrag noch einmal in den Ausstellungsräumen im „Haus des Gastes“ in Waren halten. Und zwar am 20. März um 19 Uhr.

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Mit einem emotionalen, ergreifenden und auch aufrüttelnden Vortrag hat die Warener Demenz-Expertin Beate Böser gestern Abend bei ihrer Ausstellungseröffnung im “Haus des Gastes” für ein Wechselbad der Gefühle gesorgt. Doch im Mittelpunkt stand nicht die 47-Jährige selbst. Im Mittelpunkt standen – wie auch bei der besonderen Ausstellung – Menschen, die an Demenz leiden, Menschen, die in ihrer eigenen Welt leben, Menschen, die man trotzdem verstehen kann – wenn man will, und vor allem, wenn man weiß, wie.

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Rund ein Jahr lang hat der Warener Fotograf Ole Steindorf-Sabath im “Haus Dieter” Frauen und Männer fotografiert, die an Demenz leiden. Er hat sie eingefangen – in ihrer eigenen Welt, in der realen Welt, in fröhlichen Momenten, wenn sie traurig waren, aber vor allem zeigen seine Bilder, dass sie gerne leben, trotz ihres Leidens. Und so brachte es Ausstellungs-Besucherin Helga Wagner gestern Abend auf den Punkt “Die Bilder und der Vortrag von Frau Böser nehmen dieser Krankheit den Schrecken, der in der Öffentlichkeit häufig verbreitet wird.”

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Genau das ist es, was Beate Böser mit ihrer Idee vermitteln wollte und was dem Profi-Fotografen perfekt gelungen ist: Angst nehmen. Den Betroffenen, aber vor allem auch den Angehörigen und Bekannten, die häufig nicht wissen, wie sie mit “Dementen” umgehen.

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Wie gut Beate Böser das nicht nur bei ihren Vorträgen, sondern auch im Alltag gelingt, hat die kurze Rede von Gerd Schütt gezeigt. Sein 93 Jahre alter Vater ist ein Bewohner des “Haus Dieter”, der von Ole Steindorf-Sabath porträtiert wurde. “Wir haben lange gebraucht, diese Krankheit zu akzeptieren und auch die Tatsache, dass wir meinen Vater nicht mehr selbst betreuen können. Heute können wir schon deutlich besser mit der Erkrankung meines Vaters umgehen, obwohl es uns immer noch leid tut, dass er nicht immer bei uns wohnt. Wir wissen aber, dass es ihm im Haus Dieter sehr gut geht und er von Menschen umgeben ist, die sich mit seiner Erkrankung auskennen”, erzählt Gerd Schütt und man merkt, dass es ihm nicht leicht fällt, die Demenz seines Vaters zu akzeptieren. Seine sehr persönlichen Worte gehen zu Herzen, regen zum Nachdenken an, erzeugen Hochachtung.

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Wer den Vater von Gerd Schütt und viele anderen an Demenz erkrankte Menschen erleben möchte, kann sich die einzigartige Ausstellung noch bis Ende März im “Haus des Gastes” anschauen. Und nicht nur das. Denn es gab eine weitere Premiere gestern Abend im fast überfüllten “Haus des Gastes”: Zum ersten Mal stellen Vater und Sohn Steindorf-Sabath zusammen aus. Im Nebenraum kann man die Gedanken bei wunderschönen Landschaftsaufnahmen von Klaus Steindorf-Sabath schweifen lassen. Und vielleicht sogar über eine Krankheit nachdenken, die zwar sehr schlimm ist, die den Betroffenen aber nicht die Freude am Leben nimmt. Das beruhigt.