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Bilder, die der Demenz den Schrecken nehmen

Aufgrund der großen Nachfrage wird die Demenz-Expertin Beate Böser ihren Vortrag noch einmal in den Ausstellungsräumen im „Haus des Gastes“ in Waren halten. Und zwar am 20. März um 19 Uhr.

Während der Til-Schweiger-Film “Honig im Kopf” in deutschen Kinos gegenwärtig auf eine bewegende Art und Weise das Thema Demenz aufgreift, rücken zwei Warener diese Erkrankung mit einem ganz besonderen Projekt ebenfalls ins Licht der Öffentlichkeit. Beate Böser und der Fotograf Ole Steindorf-Sabath haben in einjähriger Arbeit eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die in Deutschland bislang einzigartig ist und in den kommenden Wochen und Monaten durch die ganze Republik “wandert”.

Beate Böser ist schon seit vielen Jahren Expertin auf dem Gebiet der Demenz und hatte die Idee, die Erkrankung in Bildern zu zeigen. Vor allem, um Angehörigen und Freunden Ängste zu nehmen, aber auch, um mehr Verständnis für Menschen zu wecken, die an Demenz leiden. In Ole Steindorf-Sabath fand die 47-Jährige einen Partner, der nicht nur als Profi-Fotograf bekannt ist, sondern der richtig Lust auf eine neue Herausforderung hatte. Aber auch Bedenken. “Wie gehe ich mit den Demenzkranken um?” und “Wie zeige ich Demenz?” sind zwei von vielen Fragen, die dem Warener anfangs durch den Kopf geisterten.

Ole und Beate

Doch die Bedenken waren unbegründet. Während der 43-Jährige beim ersten Termin noch etwas aufgeregt auf den Auslöser drückte, hatte sich seine Unsicherheit schon beim zweiten Zusammentreffen mit den Erkrankten verflüchtigt. Spätestens, als der Fotograf merkte, dass ihn die Frauen und Männer im “Haus Dieter” am Warener Hafen wiedererkannten, sich in Pose setzten oder sofort lächelten, als sie den Mann mit der Kamera erblickten, war das unsichtbare Eis gebrochen.

In aller Heimlichkeit

Doch es gab noch eine andere Schwierigkeit: Die Ausstellung musste ganz geheim vorbereitet werden, denn Beate Böser wollte damit ihren Mann Detlef sowie Freund Tobias Briehn überraschen. Und so “schneite” Ole Steindorf-Sabath nur ins Haus, wenn die beiden Männer unterwegs waren, begegneten sie sich dennoch einmal, gab’s natürlich ganz plausible Gründe für die Anwesenheit des Fotografen.

Ausstellung Demenz

“Es war sehr anstrengend, aber ich habe durch diese Arbeit einen ganz anderen Blick auf die Menschen und die Krankheit bekommen. Ich war vor allem jedes Mal aufs Neue erstaunt, wie viel Lebensfreude und Heiterkeit die Frauen und Männer ausstrahlen”, so Ole Steindorf-Sabath. Aber auch traurige Momente gehörten dazu, wenn er seine “Modelle” zwar angetroffen, aber nicht wirklich erreicht hat, weil sie ganz weit weg, in einer anderen, für ihn unerreichbaren Welt waren.

Bilder auch in Waren zu sehen

Und genau das wollte Beate Böser auch zeigen: Die unterschiedlichen Phasen der Demenz, den Spaß am Leben, den man trotz der Krankheit haben kann, und die Persönlichkeiten, die “hinter” der manchmal undurchdringlichen Fassade der Frauen und Männern nach wie vor erkennbar ist. Ein Anliegen, das den beiden Ausstellungs-Machern mehr als eindrucksvoll gelungen ist. Das haben inzwischen auch viele Angehörige der Hauptdarsteller bestätigt. “Das schönste Kompliment ist, wenn mir Verwandte beim Betrachten der Bilder sagen: Ja genau, so ist meine Mama. Perfekt getroffen, sehr schön dargestellt”, erzählt Beate Böser.

Aus1

Die Müritzer können sich selbst überzeugen: Ab 6. Februar im Haus des Gastes Waren. Anschließend “wandert” die Ausstellung in eine Neubrandenburger Klinik, dann nach Feldberg, in die Uni-Klinik Greifswald und auch die Caritas in Bayern hat bereits Interesse angemeldet.

Ausstellung Demenz